„Und jetzt beschreiben Sie bitte dieses Bild.“
Dieser eine Satz reicht oft schon aus, um viele Teilnehmende im Deutsch-Test für Zuwanderer nervös zu machen. Plötzlich sind die Hände schwitzig, die Gedanken kreisen – und alle Augen sind auf dich gerichtet. Gerade die mündliche Prüfung fühlt sich für viele wie der entscheidende Moment an. Und die Bildbeschreibung? Die ist oft der Teil, vor dem die meisten Respekt haben.
Aber du musst kein Genie sein, um das zu schaffen.
Eine gute Bildbeschreibung folgt nämlich keinem Zufall, sondern einem klaren System. Wenn du weißt, wie du anfangen sollst, was du sagen kannst und wie du deine Ideen strukturierst, wird aus Stress schnell Sicherheit.
Stell dir das Ganze wie ein kleines Bauprojekt vor:
Du brauchst ein solides Fundament, eine klare Struktur und einen sauberen Abschluss. Wenn das steht, kannst du fast jedes Bild ruhig und selbstbewusst beschreiben – ganz egal, was du siehst.
Was wollen die Prüfer hören? (Das B1-Geheimnis)
Viele Prüflinge machen den Fehler, nur aufzuzählen, was sie sehen: “Ich sehe einen Tisch. Ich sehe einen Mann. Ich sehe eine Lampe.”
Das ist A2-Niveau. Für B1 reicht das nicht.
Die Prüfer wollen sehen, dass du zusammenhängend sprechen kannst. Sie wollen nicht nur wissen, was da ist, sondern was passiert, wie die Stimmung ist und was du darüber denkst.
Die Prüfer bewerten vor allem:
- Wortschatz: Kennst du die passenden Nomen und Verben für Alltagssituationen?
- Grammatik: Benutzt du korrekte Sätze (z.B. Verben mit Präpositionen)?
- Flüssigkeit: Sprichst du ohne lange Pausen?
Deine 3-Schritte-Formel zur perfekten Beschreibung
Um nicht den Faden zu verlieren, solltest du dich immer an diese Struktur halten:
Schritt 1: Der Überblick (Das Fundament)
Beginne niemals sofort mit kleinen Details. Sag erst einmal, worum es generell geht.
- Was für eine Situation ist das? (Arbeit, Familie, Freizeit, Einkaufen?)
- Wo sind die Personen? (Drinnen, draußen, im Büro, im Park?)
- Wie viele Personen siehst du?
Beispiel: “Auf dem Bild sehe ich eine Alltagssituation in einem Supermarkt. Es sind drei Personen zu sehen: eine Kassiererin und zwei Kunden.”
Schritt 2: Die Details und die Handlung (Die Wände)
Jetzt gehst du ins Detail. Beschreibe, was die Leute tun, was sie tragen und wie sie sich fühlen. Wichtig: Benutze Ortsangaben (links, rechts, im Hintergrund), um deine Beschreibung zu strukturieren.
- Wer macht was? (Verwende das Präsens!)
- Wie sehen sie aus? (Kleidung, Alter)
- Wie ist die Stimmung? (Lächeln sie? Sind sie gestresst?)
Beispiel: “Im Vordergrund steht eine Frau mit einem Einkaufswagen. Sie trägt eine rote Jacke und legt gerade Obst auf das Band. Sie lächelt. Die Kassiererin rechts sitzt an der Kasse und tippt etwas ein. Im Hintergrund sieht man Regale mit vielen Produkten. Es sieht so aus, als ob viel Betrieb ist.”
Schritt 3: Interpretation und persönliche Erfahrung (Das Dach)
Das ist der wichtigste Teil für das B1-Zertifikat! Hier zeigst du, dass du weiterdenken kannst. Du musst vermuten und verbinden.
- Vermutung: Was könnte vor dem Bild passiert sein? Was passiert gleich? Warum tun die Leute das?
- Verbindung: Kennst du diese Situation aus deinem Heimatland oder deinem Leben in Deutschland?
Beispiel: “Ich vermute, die Frau macht ihren Wocheneinkauf, weil der Wagen sehr voll ist. Die Situation erinnert mich an mein Heimatland. Dort sind die Supermärkte auch oft sehr voll, aber die Leute haben meistens mehr Zeit für ein kleines Gespräch an der Kasse als hier in Deutschland.”
Dein Redemittel-Baukasten für B1
Lerne diese Sätze auswendig. Sie sind deine “Rettungsanker”, wenn du in der Prüfung nervös bist.
- Den Einstieg finden:
- “Auf dem Bild ist eine Situation im/in der [Ort] dargestellt.”
- “Das zentrale Thema des Bildes ist [Thema, z.B. ‘Arbeit’ oder ‘Familie’].”
- “Man kann auf dem Foto … Personen sehen.”
- Den Ort beschreiben (Ganz wichtig für die Struktur!):
- “Im Vordergrund / Im Hintergrund sieht man…”
- “Auf der linken Seite / Auf der rechten Seite befindet sich…”
- “In der Mitte des Bildes steht…”
- Vermutungen anstellen (Der B1-Booster!):
- “Es sieht so aus, als ob…” (+ Nebensatz mit Verb am Ende!)
- (z.B. “Es sieht so aus, als ob die Leute Spaß haben.”)
- “Ich vermute, dass…”
- “Vielleicht sind sie…”
- “Sie machen einen [gestressten / glücklichen / müden] Eindruck.”
- “Es sieht so aus, als ob…” (+ Nebensatz mit Verb am Ende!)
- Die Brücke zur eigenen Erfahrung:
- “Diese Situation kenne ich gut, weil…”
- “In meinem Heimatland ist das ähnlich / ganz anders. Bei uns…”
- “Ich persönlich finde diese Situation…”
Fazit: Übung macht den Meister
Die Bildbeschreibung ist eine Chance, kein Risiko. Du kannst zeigen, was du alles gelernt hast. Nimm dir ab sofort jeden Tag ein beliebiges Foto (aus der Zeitung oder dem Internet) und versuche, es 3 Minuten lang laut nach der 3-Schritte-Formel zu beschreiben.
Viel Erfolg bei deiner Vorbereitung!
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